Rennbericht TORTOUR 2017

 

#velöle das ist meine Passion. Ich liebe es sportlich lange unterwegs zu sein und habe bemerkt, dass mir längere Rennen liegen. Ich kann mein Tempo durchziehen und erhole mich in den Abfahrten sehr schnell. Als ich letztes Jahr von der TORTOUR hörte war mir klar, dass ich dort mal am Start stehen werde. So haben wir das non-Stopp Rennen über 1000km in meinen Rennkalender integriert. Für den Gigathlon Switzerland und Gigathlon Czech Republic trainierte ich zusätzlich die Disziplinen Laufen, Schwimmen und Mountainbike. Dies machte mein Training abwechslungsreich, jedoch habe ich zeitlich nicht so viel auf dem Rennrad verbracht, wie dies andere Athleten im Ultracycling tun. Trotzdem war ich das ganze Jahr voller Vorfreude auf das Abenteuer rund um die Schweiz.

 

Doch leider passierte dann etwas, was mich zuerst zweifeln liess, ob ich wirklich am Start der TORTOUR stehen kann. In unseren Familienferien anfangs August in Yvonand fuhr ich noch letzte Strecken der TORTOUR ab, damit ich genau wusste, was auf mich zukommt. Gegen Ende von diesen Ferien waren meine Familie, die Familie meines Bruders und meine Eltern am Strand am Neuenburgersee. Dort passierte dann das Unglück. Mein geliebter Päpu ist weit aussen im See vom Stand Up Paddle gefallen. Zuerst sahen wir seinen Kopf noch hinter dem Brett nachschwimmen, doch als ich auf dem Weg zu ihm auf einem anderen SUP war, sah ich seinen Kopf nicht mehr. Als ich ihn dann auch noch fand, nach ihm tauchte, ihn nicht erwischte, nach Hilfe ruf und vom starken Wind abgedriftet wurde (ich verlor seinen Standort), war mir klar, dass alle Hilfe zu spät kommt. Ich tauchte weiter, fand ihn aber nicht mehr. Erst die Rega fand ihn später genau an diesem Ort.

Dieses Erlebnis war nicht leicht zu akzeptieren und zu verdauen und dies so kurz vor der TORTOUR. Es war viel zu erledigen wie die Traueranzeige, die Organisation der Beerdigung etc.

Auch starteten unsere älteste Tochter in dieser Zeit in die 1. Klasse, der Junge in den kleinen Kindergarten und die Jüngste in die Spielgruppe. Es war für uns alle eine wichtige Woche und ich investierte viel Zeit in die Begleitung der Kinder und Emotionales ins Auffangen der Eindrücke von ihnen.Trotz der intensiven Zeit entschied ich mich in Schaffhausen am Start zu stehen. Päpu hat sich im Vorfeld sehr für die Strecke interessiert und ich zeigte ihm die Route auf der Karte. Er schüttelte den Kopf und lachte dabei, denn auch er hat Abenteuer geliebt… Fuhr mit dem Fahrrad vom Antlantik zurück in die Schweiz, etc… Er hätte mich mit Freude an der TORTOUR unterstützt . Ja, aber jetzt schweife ich ab. Ich freute mich einfach aufs Unterwegs sein und die frische Luft…

 

Somit stand ich natürlich überhaupt nicht ausgeschlafen, aber doch voller Freude am Start in Schaffhausen.Am Donnerstagnachmittag war der Prolog. Dieser war kurz mit einer heftigen Steigung am Schluss. Der Rang regelte dann die Startreihenfolge zum Start der 1000km am Freitag ab 00.30h. Ich konnte als 1. Frau über die Ziellinie fahren. Auf die 1000km macht aber einen Vorsprung von ein paar Sekunden nichts aus ;-).

 

Leider hatte ich am Abend Mühe einzuschlafen, was meiner mitgebrachten Übermüdung nicht gut tat. So stand ich nach Mitternacht am Start und freute mich auf die Erfahrung, in der Nacht unterwegs zu sein. Bis dahin hat sich mein Mann Hugi alleine um alles rund herum gekümmert (zum Glück kennt er sich mit so langen Sachen aus, er ist selber schon mehrmals 24h-Rennen gefahren...). Ab Schaffhausen waren sie dann zu zweit im Begleitauto, mein Bruder Joel stiess dazu. Zuerst mussten wir uns etwas finden… Der Funk funktionierte nicht, obwohl wir diesen kurz vor dem Start getestet hatten. So kümmerte sich mein Team sehr lange um den Funk und brachten ihn auch wieder in Gange. Die zwei haben Arbeit geleistet, was andere zu viert im Auto machen… Echt ein grosses Kompliment, sie haben mich sooo gut betreut! Es lief mir auch sehr gut. Ich konnte mein Wohlfühltempo fahren und hatte Freude dabei. Als dann der Tag anbrach, war das so wunderschön! Der Oberalppass und der Sustenpass fuhr ich in einem guten Tempo. Nach der Abfahrt vom Sustenpass bemerkte ich meine Müdigkeit! Ich hatte zeitweise Mühe, die Augen offen zu halten. Dank Koffein-Shots und Energy-Drinks schaffte ich es noch weiter, doch bald teilte ich meinem Team im Auto mit, dass ich eine Krise habe. Sie hatten auch bemerkt, dass ich körperlich immer noch sehr gut unterwegs war. Somit gaben sie alles im Mental-Coaching ;-) und motivierten mich somit noch bis Interlaken durchzuziehen. Ich war aber im Kopf so müde, dass die Jungs mir einen gemütlichen Schlafplatz im Schatten anboten und mich 15 Min auf der BEMER-Matte schlafen liessen. Der Powernap tat mir sehr gut. Nach dieser im Totalen 30 minütigen Pause fuhr ich die Schlaufe via Beatenberg, aber die dauernde See-Sicht half meinem Kopf gar nicht. Das Kopfkino begann erneut und ich hatte Mühe mich aufs Velofahren zu konzentrieren. Die HOPP Rufe von Robert, Nika, Martin, Therese etc. freuten mich sehr, aber es half mir nicht über die Sinnkrise hinweg. Nach Interlaken fuhr ich dem See entlang, es war genau dieselbe Stimmung wie bei Päpus Sterben. Viel Wind, wellen, Wasser. Ich wollte nur noch zu den Kids nach Hause und konnte mich nicht mehr motivieren weiterzufahren. Entschlossen fuhr ich zu meinem Team und wollte Ihnen meine Entscheidung mitteilen. Doch dann stand doch tatsächlich Peter mit dem Velo bei meinen Jungs. Was für eine Überraschung! Es hat mich enorm gefreut, aber auch sein Motivieren konnte mich nicht von meinem Vorhaben abbringen (Peter ich hoffe, du bist vor dem Gewitter noch gut nach Hause gekommen!?). Für mein Team war es überhaupt kein Problem meinen Entscheid (nach ca. 430 km und auf dem 2. Rang hinter Weltmeisterin Nicole Reist liegend) zu akzeptieren. Sie haben mich die letzten 100km permanent motiviert und wollten einfach sicher gehen, dass ich nicht aus einer momentanen Situation heraus handle und diesen dann im Nachgang bereue. Aber wenn es mental nicht mehr stimmt, dann nützen die besten Beine und der fitteste Körper nichts.

Natürlich tat es mir Leid, vor allem für die Crew. In Interlaken ist Köbi dazu gestossen. Auch Elli und Mike, Sibille und Rene waren bereits angereist um das Zweierteam abzulösen und zu unterstützen. Ein herzliches Dankeschön dem ganzen Team und auch euch allen für die ermutigenden Worte auf Facebook! Ebenso einen riesigen Dank dem Team zu Hause, die so wunderbar zu unseren Kindern und dem Hund geschaut haben!

 

Nun bin ich gut erholt und freue mich auf einen gelungen Saisonabschluss im Rahmen des Gigathlon Czech Republic in Olsina. Für uns gibt es ein Familienabenteuer. Wir werden mit Wohnwagen anreisen und die Kids dürfen den Gigathlon das erste Mal miterleben. So steht doch das Zusammensein mit Familie und Freunden, die Freude am Sport an einem tollen Anlass im Vordergrund. Ich weiss, dass es mir gut tun wird in die lockere Atmosphäre und den Gigathlon Spirit einzutauchen und alles zu geniessen.